Vampire Crawlers: The Turbo Wildcard from Vampire Survivor
Vampire Crawlers: The Turbo Wildcard, auch Vampire Crawlers genannt, ist das Spin-off des Erfolgshits Vampire Survivors. Während sich das Hauptspiel das Genre „Bullet Hell“ zum Vorbild genommen hat, setzt man hier auf die immer beliebter werdenden Roguelike-Deckbuilder. Der Markt ist stark umkämpft und mit Balatro sowie Slay the Spire stehen echte Schwergewichte an der Spitze. Da wird es schwer, sich zu beweisen.
Der Vampir, den ihr sucht, ist immer noch in einem anderen Sarg!
Wie beim Hauptspiel ist auch hier die Handlung nur nettes Beiwerk, damit ihr euch in die unzähligen Dungeons stürzt. Ein paar Zeilen Text bei der Level-Auswahl müssen genügen. Und um ehrlich zu sein: Mehr braucht man auch nicht, da man die Levels schnell nacheinander absolvieren will – und genau das ist die Stärke dieses Spiels.
Die Grundstruktur richtet sich nach dem Vorgänger. Ihr wählt noch immer aus einem Pool unterschiedlicher Charaktere. Die Karten sind an die bekannten Waffen und Power-ups angelehnt. Es gibt auch wieder eine Meta-Progression in Form von freischaltbaren Figuren und dauerhaften Verbesserungen. Doch sobald man den Dungeon betritt, enden die Gemeinsamkeiten. Anstelle einer endlosen 2D-Karte gibt es nun einen begrenzten Dungeon, den ihr in der Ich-Perspektive erforscht. Er erstreckt sich über mehrere Ebenen, an deren Ende jeweils ein Boss wartet.
Beim Kampfsystem hat man sich hingegen voll und ganz dem Deckbuilder-Genre verschrieben. Man stellt ein Kartendeck aus Angriffen, Power-ups und Spezialkarten zusammen und setzt dem Gegner Zug um Zug zu. Da es sich um ein Roguelike-System handelt, variieren die Karten bei jedem Dungeon-Besuch. Das Ziel besteht darin, während des Spiels die perfekte Combo zu finden.
Das Herz der Karten!
Das System wirkt am Anfang sehr komplex, da das Spiel nur spärlich erklärt wird. Erst nach mehreren Läufen schaltet man Möglichkeiten frei, sein Deck gezielt zu manipulieren. Die ersten Läufe werden diesem Muster folgen: Beim ersten Feindkontakt steht ihr einer Reihe von Monstern mit einem gewissen Angriffswert gegenüber. In eurer Hand haltet ihr vier Karten, links seht ihr die Lebensanzeige und rechts die Manapunkte. Jede Karte hat einen Wert (beginnend bei Null), der die Manakosten angibt. Natürlich versucht man, so viele Karten wie möglich zu spielen, während die Combo-Anzeige nach oben schnellt. Bevor man dieses System jedoch vollständig durchschaut hat, ist die erste Runde oft schon vorbei und der Gegner ist an der Reihe. Scheitern gehört hier zum Spieldesign, was aber bald ein Ende hat.
Mit der Zeit kommen immer mehr Karten, „Crawler” und „Arkane” ins Spiel – genau in diesem Moment macht es „klick”! Eine Stunde später sieht die Welt schon wieder anders aus. Ihr erkennt, dass bestimmte Crawler-Karten es erlauben, zusätzliche Karten zu ziehen. Das Combo-System verstärkt eure Karten enorm und mit den Wild Cards könnt ihr es sogar zurücksetzen. Plötzlich sind Combos mit über 20, 30 oder mehr Karten möglich. Ein Gewitterregen an Angriffen geht auf die Gegner nieder, die nur noch als schnelles XP-Futter dienen. Jeder Level-up bringt euch der Waffen-Evolution oder stärkeren Juwelen näher. Die „Power Fantasy“ des Vorgängers zündet auch hier wieder. Euer größter Gegner seid ihr selbst. Durch eure Gier wird das Deck zu groß und unübersichtlich. Die perfekte Taktik verliert sich in den unzähligen Karten. In dem Moment, in dem ihr die perfekte Combo erzwingen wollt, merkt ihr, dass Karten zu brechen beginnen. Das Spiel hat euch durchschaut! Der augenscheinlich perfekte Lauf bricht unter eurer Gier zusammen. Am Ende stellt ihr euch dem Grimm Ripper, der keine Gnade kennt. Der Lauf beginnt von vorne.
Die kleineren Gegner sind keine große Herausforderung. Spätere Bosse verfügen hingegen über eine zusätzliche Mechanik. Sie greifen nicht nach einem festen Zug an, sondern reagieren auf die Anzahl der gespielten Karten. Dies wird optisch angezeigt, woraufhin man seine Taktik anpassen muss. Doch auch diese Gegner stellen mit der Zeit keine Gefahr mehr dar. Gerade die „Power Fantasy“ und Dynamik sind die große Stärke des Spiels. Es ist nicht übermäßig fordernd, aber das System macht einfach Spaß. Was jedoch fehlt, sind die zahlreichen Geheimnisse des Vorgängers. Dieser war vollgestopft mit Bonus-Levels, geheimen Charakteren und fordernden Bossen. Hier finden sich zwar Ansätze, aber echte „Geheimnisse” sind rar gesät.
Der Retro-Trip!
Das Sprite-Design wurde übernommen und in eine 3D-Welt übertragen. Grafisch löst es keine Revolution aus – das haben andere Spiele schöner dargestellt –, aber die Optik entspricht genau den Erwartungen, die man an die Serie hat. Im Vergleich zum Vorgänger geht leider etwas vom Effektfeuerwerk verloren, was jedoch dem Genre-Wechsel geschuldet ist. Zumindest läuft das Spiel jederzeit flüssig. Ein echtes Highlight ist der Soundtrack. Für das Hauptthema konnte Yoko Shimomura gewonnen werden, die durch ihre Arbeit an Kingdom Hearts bekannt wurde. Für die übrigen Stücke war das Team des Vorgängers zuständig. Euch erwartet eine treibende Mischung aus Pixel-Rock, Symphonie und Elektro. Die übrigen Soundeffekte fallen hingegen eher spärlich aus.
FAZIT:
Ich freue mich, dass Deckbuilder immer beliebter werden, denn mich hat dieses Genre seit Metal Gear: AC!D (ich warte immer noch auf ein HD-Remake!) in seinen Bann gezogen. Zugegeben, dieses Spiel erfindet das Rad nicht neu und bleibt teilweise hinter den hohen Erwartungen zurück, die der phänomenale Vorgänger geschürt hat. Die Grafik erfüllt ihren Zweck und der Soundtrack sorgt für die notwendige Atmosphäre. Gepaart mit dem motivierenden Combo-System kann das Spiel dennoch über viele Stunden hinweg überzeugen. Wenn die Entwickler es genauso fleißig mit Updates unterstützen wie den Vorgänger, werden wir hier noch sehr viel Zeit verbringe.
[ Review verfasst von Andy ]
[ Gespielt auf einer PlayStation 5 mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Funktioniert auch als Deckbuilder
- Power Fantasie greift auch hier
- Sehr guter Soundtrack
Minuspunkte:
- Präsentation könnte besser sein
- Viel zu leicht
- Fehlt an Geheimnissen