Starfield
In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten gab es immer wieder Entwicklerstudios, denen man als Außenstehender nahezu Unantastbarkeit bescheinigte. Zu diesen Größen zählte ohne Zweifel auch Bethesda, die spätestens nach dem Release von Skyrim als Maßstab im RPG-Genre galten. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass dieses Studio jemals einen echten Fehltritt landen würde. Zwar kam Fallout 4 im Großen und Ganzen noch gut an, doch spätestens mit dem holprigen Start von Fallout 76 wurde deutlich: Selbst bei Bethesda ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an Starfield – die erste komplett neue Marke des amerikanischen Studios seit über 25 Jahren.
Mittlerweile sind mehr als zwei Jahre seit dem Release auf Xbox und PC vergangen, und es ist kein Geheimnis, dass das Spiel die großen Hoffnungen vieler Fans nicht vollständig erfüllen konnte. Doch ist damit schon alles gesagt? Mitnichten. Denn pünktlich zum Erscheinen der PS5-Version hat Starfield plattformübergreifend umfangreiche Updates erhalten, die vor allem die Spielbarkeit deutlich verbessern sollen. Ob Bethesda damit tatsächlich die Kurve kriegt, klären wir in den folgenden Zeilen.
Etliche Welte, endlose Möglichkeiten?
Euer Abenteuer in Starfield beginnt in der Rolle eines unscheinbaren Weltraum-Bergmanns, der eines schicksalhaften Tages mit einem mysteriösen kosmischen Objekt in Berührung kommt. Die darauffolgenden Visionen setzen den Ausgangspunkt für eure Reise als Entdecker der unendlichen Weiten des Alls. Zu Beginn bietet euch das Spiel einen vergleichsweise geradlinigen Einstieg, der euch durch eine recht umfangreiche Hauptkampagne führt. Diese eignet sich gut, um sich zunächst mit der Gesamtsituation vertraut zu machen, da man anfangs mit einer Vielzahl an Informationen konfrontiert wird. Mit der Zeit lernt man jedoch sowohl seine Begleiter als auch das Universum von Starfield besser kennen. Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass die Hauptkampagne aus erzählerischer Sicht eher enttäuscht. Zwar ist das finale Ergebnis durchaus interessant, doch der Weg dorthin gestaltet sich stellenweise langartmig und wenig mitreißend. Auch die Nebencharaktere, die euch begleiten, bleiben größtenteils eher eindimensional, wodurch es mir nur eingeschränkt möglich war, eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Die große Stärke von Starfield liegt allerdings darin, dass die Hauptquest letztlich nur einen kleinen Teil des Gesamtpakets ausmacht.

Ähnlich wie man es bereits von anderen Bethesda-Titeln kennt, entfaltet auch Starfield schon nach kurzer Zeit eine beeindruckende Bandbreite an Möglichkeiten und Herausforderungen, die es zu entdecken und zu meistern gilt. Im Mittelpunkt stehen dabei einmal mehr die zahlreichen Nebenquests, deren Umfang von kurzen, knackigen Aufgaben bis hin zu überraschend umfangreichen Abenteuersträngen reicht. Ob ihr nun einem Hilferuf aus einer verlassenen Raumstation folgt, einfache Lieferaufträge erledigt oder den verschiedenen Fraktionen im Starfield-Universum unter die Arme greift - gefühlt an jeder Ecke wartet bereits die nächste Aufgabe. Besonders positiv fällt dabei auf, dass selbst beiläufig entdeckte Missionen automatisch in eurem Tagebuch landen und so nie aus dem Blick geraten.
Allerdings kann diese schiere Fülle an Aktivitäten mitunter auch überwältigend wirken. Denn je intensiver man sich mit dem Spiel auseinandersetzt, desto tiefgreifender werden die Systeme und Möglichkeiten, die Starfield bietet. Ein gutes Beispiel hierfür ist der umfangreiche Raumschiff-Editor: Während man diesen nahezu komplett ignorieren kann, besteht gleichzeitig die Möglichkeit, hier dutzende Stunden zu investieren, um - gegen entsprechendes Kleingeld - das eigene Traumschiff bis ins kleinste Detail zu gestalten.
Ein ähnlich hohes Maß an Tiefe bieten auch die Outposts. Diese dienen längst nicht nur dekorativen Zwecken, sondern fungieren als vollwertige Produktions- und Logistikzentren. Sie fördern automatisch Rohstoffe, beherbergen Werkbänke sowie Produktionsanlagen und dienen als zentrale Anlaufstelle für Lagerung und Schiffsausrüstung. Mit der passenden Crew und entsprechenden Skills wie „Outpost Management“ oder „Outpost Engineering“ steigert ihr deren Effizienz zusätzlich spürbar. Die Vielfalt von Starfield scheint dabei nahezu grenzenlos. Das zeigt sich insbesondere in den Nebenmissionen, die von klassischen Aufgaben wie der Beschaffung spezieller Gegenstände oder dem Ausschalten bestimmter Gegner bis hin zu kleinen, erzählerisch geprägten Geschichten reichen, die das Universum weiter ausbauen. Auch wenn das zugrunde liegende Gamedesign in den Augen mancher etwas angestaubt wirken mag, hat mir das persönlich den Spielspaß zu keiner Zeit geschmälert.

Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings die Menüführung per Controller. Diese wirkt stellenweise unnötig träge und wenig intuitiv, was gerade im Spielfluss immer wieder für kleine Unterbrechungen sorgt. Besonders das Navigieren durch Inventar und Systeme hätte deutlich komfortabler gelöst werden können und fühlt sich nicht immer optimal auf die Konsolensteuerung abgestimmt an.
Krieg der Welten
Spielerisch orientiert sich Starfield klar an den bekannten Größen des Genres. In erster Linie präsentiert sich das Spiel als grundsolider Ego-Shooter, der auch nach vielen Stunden im All nichts von seinem Unterhaltungswert einbüßt. Einen großen Anteil daran hat die enorme Auswahl an Waffenkategorien. Ob Schrotflinten, Maschinengewehre oder futuristische Laserwaffen – die Bandbreite ist nicht nur beeindruckend, sondern wird zusätzlich durch verschiedene Loot-Stufen ergänzt, die immer wieder zum Ausprobieren neuer Ausrüstung motivieren. Unterstützt wird das Ganze durch ein erneut umfangreiches Skillsystem, das es euch erlaubt, eure bevorzugten Waffen nach und nach zu optimieren. So lässt sich beispielsweise die Feuerkraft gezielt steigern, was sich spürbar auf das Kampfgeschehen auswirkt. Apropos Loot: Ganz im Stil von Skyrim oder Fallout begegnet euch Beute praktisch an jeder Ecke. Neben Waffen stoßt ihr auf Ausrüstungsgegenstände, nützliche Hilfsmittel oder auch kuriose Antiquitäten, die sich hervorragend in euren Outposts zur Schau stellen lassen. Gleichzeitig spielt das Sammeln und Verkaufen von Gegenständen eine wichtige wirtschaftliche Rolle, denn ein gut gefülltes Konto ist essentiell für den Ausbau eurer Raumschiffe und Basen.
Doch die Action beschränkt sich längst nicht nur auf den festen Boden – auch im Weltraum erwarten euch zahlreiche Gefechte. Die Steuerung eures Raumschiffs geht dabei angenehm leicht von der Hand und sorgt schnell für ein gutes Gefühl im All. Ähnlich wie bei den Missionen auf Planetenoberflächen gibt es auch im Orbit reichlich Ressourcen zu entdecken und einzusammeln. Mit dem „Free Lanes“-Update, das gemeinsam mit der PS5-Version veröffentlicht wurde, hat Bethesda zudem eine oft gewünschte Funktion nachgereicht: Es ist nun möglich, innerhalb eines Sternsystems in Echtzeit zwischen Planeten zu reisen. Gerade für Fans immersiver Weltraumerkundung dürfte dieses Feature ein echter Zugewinn sein. Ein häufig genannter Kritikpunkt zum Release war die starke Abhängigkeit von Schnellreisen. Diese Einschätzung ist durchaus nachvollziehbar, allerdings fiel dieser Aspekt im Spielfluss weniger negativ ins Gewicht, da euch Starfield ohnehin quer durch die Galaxie schickt und ihr einen Großteil eurer Zeit in Dungeons oder auf Planeten verbringt. Nichtsdestotrotz dürfte das neue System vor allem jene Spieler zufriedenstellen, die sich mehr Tiefe und Freiheit bei der interplanetaren Fortbewegung gewünscht haben.
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Grafik & Sound
Direkt vorweg: In den ersten Wochen nach Release offenbarte Starfield auf der PS5 teils gravierende technische Mängel, die sich vor allem in häufigen Abstürzen bemerkbar machten. Je länger man spielte, desto deutlicher traten diese Probleme zutage. Umso erfreulicher ist es, dass Bethesda vergleichsweise schnell reagierte und mit einem umfangreichen Patch die Stabilität spürbar verbessern konnte.
Und das ist auch dringend nötig gewesen, denn sobald das Spiel einmal rund läuft, fällt es schwer, sich wieder davon zu lösen. Das liegt nicht nur am spielerischen Tiefgang, sondern auch an der insgesamt gelungenen Präsentation. Sowohl in der Hauptkampagne als auch in den zahlreichen Nebenquests führt euch Starfield durch eine Vielzahl unterschiedlicher Biome. Zwar lässt sich ein gewisser „Copy & Paste“-Eindruck bei einigen Planeten nicht leugnen, gleichzeitig gibt es aber immer wieder Schauplätze mit eigenständigen Strukturen, markanten Bauwerken und abwechslungsreichen Landschaften. Hinzu kommen vier große Städte, die als zentrale Knotenpunkte für Missionen und Aufträge dienen. Diese sind umfangreich gestaltet, bieten zahlreiche Shops und beherbergen unterschiedliche Fraktionen. Sowohl die großen Metropolen als auch die kleineren Siedlungen überzeugen dabei mit einem klar erkennbaren, eigenen Stil. Gleiches gilt für das Design von Raumschiffen und Waffen: Starfield setzt auf eine futuristische, aber dennoch bodenständige Optik, die insgesamt stimmig wirkt. Dennoch ist nicht alles gelungen. Technisch schleppt das Spiel weiterhin einige Altlasten mit sich herum. Starfield basiert auf der Creation Engine 2, einer weiterentwickelten Version von Bethesdas hauseigener Engine, die ursprünglich für Titel wie Skyrim oder Fallout 4 konzipiert wurde. Zwar wurde sie für die Anforderungen eines riesigen, planetenübergreifenden Rollenspiels angepasst, doch in der Praxis zeigen sich weiterhin Schwächen – insbesondere bei der Performance. Selbst im Performance-Modus kommt es auf der PS5 immer wieder zu Framerate-Einbrüchen, vor allem in hektischen Gefechten mit vielen Gegnern. Darüber hinaus wirkt das Spiel an einigen Stellen technisch schlicht nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Die Charaktermodelle fallen durch starre Gesichtsausdrücke und hölzerne Animationen auf, was den ansonsten gelungenen Gesamteindruck etwas schmälert.
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Beim akustischen Teil gibt es hingegen absolut nichts zu beanstanden. Der Soundtrack stammt erneut vom bewährten Komponisten Inon Zur, der mit seiner orchestral-elektronischen Fusion aus kosmischer Weite und emotionaler Intensität die Atmosphäre von Starfield perfekt einfängt. Auch die Synchronsprecher liefern durchweg starke Leistungen - auch wenn das Skript, das sie vortragen, nicht immer auf höchstem Niveau ist. An Enthusiasmus und Präsenz mangelt es den Darstellern jedoch definitiv nicht.
FAZIT:
Ich bin wahrlich kein ausgewiesener Bethesda-Crack, wie viele andere. Klar, Skyrim war großartig, hat mich aber nie so nachhaltig gefesselt wie viele Fans der Reihe. Auch die Fallout-Serie konnte mich nie wirklich vom Hocker reißen - egal ob Teil 3, 4 oder 76. Bei Starfield hingegen hat es bei mir plötzlich Klick gemacht. Die Missionen sind abwechslungsreich und machen durchweg Spaß, während der klare, saubere Look des Spiels zusätzlich überzeugt. Zwar erzählt die Hauptkampagne keine besonders mitreißende Geschichte, und auch technisch kann das Spiel nicht in allen Bereichen glänzen, doch das Gesamtpaket hat mich dennoch voll abgeholt. Das galt schon damals zum PC-Release und gilt jetzt ebenso auf der PS5. Gerade in Zeiten von Games as a Service und Free-to-Play-Titeln ist es einfach angenehm, sich abends vor den Fernseher zu setzen und in eine riesige Welt – beziehungsweise ein ganzes Universum – einzutauchen und darin zu verlieren.
[ Review verfasst von Dimi ]
[ Gespielt auf der PS5 mit 4K HDR OLED TV ]
Pluspunkte:
Große, abwechslungsreiche Open‑World‑Galaxis mit vielen Planeten
Tiefe RPG‑Mechaniken, viele Charakter‑Customization‑Möglichkeiten und anspruchsvolles Crafting
Flüssiger Reisemodus und verbesserte Freifahrt‑Features durch das Free‑Lanes‑Update
Minuspunkte:
Teilweise stumpfe, repetitive Quest‑Struktur
Technische Schwächen wie Bugs, Abstürze und Performance‑Schwankungen bleiben spürbar
UI und Navigation auf dem Controller sind holprig und dadurch sehr menü‑lastig.
Spielinfos