Seafarer: The Ship Sim
Wer schon immer einmal das Steuer eines großen Frachters, eines Schleppers oder eines anderen Arbeitsschiffes übernehmen wollte, bekommt mit Seafarer: The Ship Sim eine durchaus interessante Simulation geboten. Statt uns lediglich von Hafen zu Hafen fahren zu lassen, versucht das Spiel, den Arbeitsalltag auf See möglichst umfangreich abzubilden. Fracht transportieren, Schiffe manövrieren, Rettungseinsätze durchführen, Brände bekämpfen oder verschiedene Maschinen und Einrichtungen bedienen – an Beschäftigung mangelt es zunächst jedenfalls nicht. Auch beim Umfang gibt sich Seafarer Mühe. Zahlreiche unterschiedliche Schiffe, verschiedene Aufgaben und eine Karriere, in der nach und nach neue Möglichkeiten hinzukommen, sollen für Abwechslung sorgen. Dazu kommen Management-Elemente, Wartungsarbeiten und die Möglichkeit, sich auf den Schiffen frei zu bewegen.
Auf dem Papier klingt das alles vielversprechend. Leider gelingt es dem Spiel nicht immer, diese vielen Elemente zu einem wirklich unterhaltsamen Gesamtpaket zusammenzuführen. Gerade die Steuerung sorgt regelmäßig für Frust und auch die Motivation lässt nach einigen Stunden spürbar nach.
Willkommen an Bord
Im Mittelpunkt von Seafarer steht die Karriere. Je nach Auftrag gilt es, unterschiedliche Aufgaben auf See und im Hafen zu erledigen. Mal transportieren wir Fracht, mal müssen wir mit einem Schlepper ein größeres Schiff an seinen vorgesehenen Platz bringen. An anderer Stelle stehen Rettungseinsätze oder die Brandbekämpfung auf dem Programm. Das funktioniert zunächst ganz ordentlich. Gerade zu Beginn macht es Spaß, die verschiedenen Schiffstypen kennenzulernen und herauszufinden, wie sich die einzelnen Aufgaben spielen. Ein großer Frachter benötigt schließlich eine andere Herangehensweise als ein kleineres Arbeitsschiff. Neben dem eigentlichen Fahren gibt es auch einige Management-Elemente. Über das Tablet können wir unter anderem Aufträge annehmen, uns um die Besatzung kümmern, Reparaturen organisieren und unsere Finanzen verwalten. Auch Wartungsarbeiten gehören zum Alltag. Dadurch entsteht zumindest der Eindruck, tatsächlich für den Betrieb unseres Schiffes verantwortlich zu sein. Allerdings bleiben viele dieser Systeme eher Beiwerk. Sie erweitern zwar den Umfang, fühlen sich spielerisch aber selten besonders tiefgreifend an.

Viel zu tun, wenig erklärt
Das Gameplay bietet überraschend viele unterschiedliche Tätigkeiten. Neben dem Steuern müssen wir beispielsweise Fracht verladen, Kräne bedienen, Schiffe anlegen, Wartungsarbeiten durchführen oder bei Bränden eingreifen. Gerade die Feuerwehreinsätze gehören dabei zu den abwechslungsreicheren Aufgaben. Mit den Wasserkanonen einen Brand zu bekämpfen, liefert unmittelbares Feedback und fühlt sich dadurch deutlich aktiver an als manche der ruhigeren Transportmissionen. Auch das Be- und Entladen von Fracht kann grundsätzlich interessant sein. Problematisch ist allerdings, dass Seafarer seine zahlreichen Mechaniken nicht immer ausreichend erklärt. Während die grundlegenden Funktionen noch verständlich vermittelt werden, muss man sich bei später hinzukommenden Aufgaben teilweise selbst erschließen, welche Schritte überhaupt notwendig sind. Das ist gerade bei einer Simulation mit so vielen Systemen ärgerlich. Wer bereit ist, sich einzuarbeiten, kommt irgendwann zurecht, ein wirklich komfortabler Lernprozess sieht jedoch anders aus.

Schwerfällig auf hoher See
Das größte Problem von Seafarer ist für mich die Steuerung. Natürlich sollen sich Schiffe nicht wie Sportwagen bewegen und ein gewisses Maß an Trägheit gehört zu einer Schiffssimulation dazu. Teilweise reagiert das Spiel aber so langsam auf unsere Eingaben, dass sich das Manövrieren eher mühsam als befriedigend anfühlt. Besonders störend ist die Tatsache, dass die Schiffe während der Fahrt immer wieder leicht zur Seite neigen. Natürlich sorgen Wellen für Bewegung, allerdings wirkt es häufig so, als würde das Schiff unabhängig davon permanent etwas aus dem Kurs geraten. Die Folge: Wir müssen ständig nachjustieren. Gerade bei längeren Fahrten wird das schnell nervig. Statt einen Kurs zu setzen und uns auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren, korrigieren wir immer wieder die Ausrichtung des Schiffes. Auch beim Anlegen fehlt es teilweise an der nötigen Präzision. Kleine Korrekturen fühlen sich nicht immer nachvollziehbar an, während andere Eingaben nur sehr langsam umgesetzt werden. Ein gewisses Maß an Realismus ist bei einem solchen Spiel sicherlich willkommen. Wenn die Simulation dadurch aber mehr Arbeit als Spielspaß erzeugt, läuft etwas schief.

Zwischen Routine und Leerlauf
Auch das Spieltempo ist nicht immer optimal. Gerade längere Überfahrten können sich ziemlich ziehen. Sobald der Kurs gesetzt ist, passiert teilweise über längere Zeit kaum etwas. Für einen Simulator mag das durchaus realistisch sein, spielerisch entsteht dadurch jedoch schnell Leerlauf. Hinzu kommt, dass sich viele Aufträge nach einiger Zeit wiederholen. Zwar gibt es verschiedene Missionstypen, die grundlegenden Abläufe bleiben jedoch häufig ähnlich: Fracht aufnehmen, zum Zielort bringen, entladen und anschließend den nächsten Auftrag annehmen. Dadurch entsteht ein gewisser Widerspruch. Seafarer bietet zwar viele unterschiedliche Gameplay-Systeme, nutzt diese aber nicht immer abwechslungsreich genug. Nach dem anfänglichen Entdecken der Möglichkeiten stellt sich deshalb zunehmend Routine ein.
Ein klarer Pluspunkt ist die Auswahl an unterschiedlichen Schiffen. Die verschiedenen Modelle sorgen für Abwechslung und vermitteln einen guten Eindruck davon, wie unterschiedlich die Aufgaben auf See ausfallen können. Je nach Größe und Einsatzzweck verändert sich auch das Fahrverhalten. Auch das freie Bewegen an Bord gefällt mir grundsätzlich. Wir können die Brücke und andere Bereiche erkunden und uns mit verschiedenen Einrichtungen beschäftigen. Dadurch fühlt sich das Spiel stärker nach einer Schiffssimulation an, als wenn man ausschließlich hinter dem Steuer sitzen würde. Die Schiffe sind ordentlich modelliert und machen auf dem Wasser einiges her. Das Meer selbst gehört ebenfalls zu den optischen Höhepunkten. Wellen, Wetter und unterschiedliche Lichtstimmungen sorgen für eine passende maritime Atmosphäre. Allerdings sind viele Bereiche an Bord eher Kulisse als tatsächlich funktionaler Bestandteil. Auch die Umgebung könnte insgesamt lebendiger sein.
Grafik & Sound
Grafisch macht Seafarer einen soliden Eindruck. Vor allem die Schiffe und die Darstellung des Wassers können sich sehen lassen. Wettereffekte und unterschiedliche Lichtstimmungen tragen ebenfalls zur Atmosphäre bei. Gleichzeitig merkt man, dass an einigen Stellen gespart wurde. Animationen wirken teilweise etwas steif und die Spielwelt könnte deutlich mehr Details vertragen. Gerade bei einer Simulation, die so stark von Atmosphäre lebt, wären eine lebendigere Umgebung und mehr Aktivität an Bord wünschenswert gewesen. Akustisch erfüllt das Spiel seinen Zweck. Motoren, Wasser und andere Geräusche sorgen für eine passende Geräuschkulisse, ohne besonders hervorzustechen.

FAZIT
Seafarer: The Ship Sim ist eines dieser Spiele, bei denen man ständig das Gefühl hat, dass eigentlich mehr möglich gewesen wäre. Die Grundlage stimmt durchaus: Es gibt zahlreiche Schiffe, unterschiedliche Aufgaben, eine Karriere, frei begehbare Boote, Management-Elemente und verschiedene interaktive Tätigkeiten. Vor allem die abwechslungsreicheren Missionen zeigen immer wieder, dass interessante Ansätze vorhanden sind. Leider fehlt es an der nötigen Feinabstimmung. Die Schiffe bewegen sich teilweise zu träge, die Steuerung fühlt sich nicht immer präzise an und die permanente leichte Neigung zur Seite sorgt für unnötiges Nachjustieren. Dazu kommt, dass zahlreiche Gameplay-Systeme nicht ausreichend erklärt werden. Am schwersten wiegt für mich allerdings, dass trotz des ordentlichen Umfangs nur selten richtiger Spielspaß aufkommt. Längere Überfahrten bieten wenig Abwechslung und viele Missionen folgen nach einiger Zeit bekannten Mustern. So entsteht trotz der eigentlich zahlreichen Möglichkeiten eine gewisse Monotonie.
Seafarer ist deshalb keineswegs ein Totalausfall. Wer sich für Schiffe interessiert und mit dem langsamen Tempo klassischer Simulationen etwas anfangen kann, findet hier durchaus interessante Inhalte. Auch die große Auswahl an Schiffen und Tätigkeiten verdient Anerkennung. Für eine wirklich überzeugende Schiffssimulation fehlt es dem Spiel jedoch an Präzision, besseren Erklärungen und vor allem an einem abwechslungsreicheren Gameplay-Kreislauf. Seafarer: The Ship Sim ist damit eine solide, aber nur mittelmäßige Schiffssimulation, die vor allem durch ihr vorhandenes Potenzial auffällt.
[ Review verfasst von Dimi ]
[ Gespielt auf einer PlayStation 5 mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Viele unterschiedliche Schiffe und Gameplay-Elemente
- Abwechslungsreiche Feuerwehreinsätze
- Schöne Darstellung des Meeres und der Wettereffekte
Minuspunkte:
- Teilweise sehr träge und unpräzise Steuerung
- Häufiges Nachjustieren auf hoher See nervt
- Missionen wiederholen sich relativ schnell
Spielinfos