Pragmata
Als ich Pragmata zum ersten Mal startete, hatte ich sofort das Gefühl, etwas Seltsames, Kühles und zugleich Faszinierendes vor mir zu haben. Schon in den ersten Minuten macht das Spiel deutlich, dass es mehr sein will als ein weiterer Actiontitel mit Science-Fiction-Anstrich. Ob es mich bis zum Ende hin begeistern konnte, erfahrt ihr im folgenden Test.
Ein ungewöhnliches Team!
Im Mittelpunkt stehen Hugh und Diana, zwei Figuren, die auf den ersten Blick wie ein typisches Gespann wirken könnten: ein erwachsener Mann, ein außergewöhnliches Mädchen, eine feindliche Umgebung, eine gemeinsame Flucht. In der Praxis ist jedoch die Dynamik zwischen beiden der Kern des gesamten Erlebnisses. Ich hatte schnell das Gefühl, dass das Spiel am stärksten ist, wenn es die Beziehung dieser beiden Charaktere in den Vordergrund rückt. Diana ist dabei nicht bloß Begleitung oder Story-Dekoration, sondern spielerisch und emotional die halbe Erfahrung. Viele Spiele scheitern daran, kindliche oder kindlich wirkende Begleiter glaubwürdig und sympathisch in die Handlung zu integrieren. Hier hatte ich erstaunlich selten das Gefühl, genervt zu sein. Stattdessen wächst nach und nach eine Verbindung zwischen den Figuren, die das Geschehen trägt. Das liegt auch daran, dass Pragmata seine Geschichte nicht im klassischen Dauerfeuer erzählt. Vieles passiert zwischen den Zeilen: über die Umgebung, über Momente der Ruhe, über kleine Gespräche, über Situationen, in denen beide einfach gemeinsam durch diese kaputte Welt ziehen. Ich mochte das sehr. Es ist keine Erzählweise, die ständig alles erklärt oder den Spieler mit Informationen überflutet.

Stattdessen muss man sich auf die Welt einlassen. Wer sofortige Antworten, schnelles Story-Pacing und ständigen Vorwärtsdruck sucht, könnte das als zu zurückhaltend empfinden. Für mich war gerade diese kontrollierte Langsamkeit ein wichtiger Teil der Faszination. Die Geschichte selbst hat mich überzeugt, auch wenn sie sich nicht jeder Klischeefalle komplett entziehen kann. Themen wie künstliche Intelligenz, menschliche Bindung, Isolation, Verlust und Identität sind in der Science-Fiction-Literatur natürlich nichts Neues. „Pragmata” erfindet diese Motive nicht neu, setzt sie aber mit genug Stil und Gefühl um, sodass sie funktionieren. Gerade Diana ist hier ein echter Glücksgriff. Sie ist nicht nur niedlich oder seltsam, sondern sie hat eine Präsenz, die das gesamte Spiel menschlicher macht. Ohne sie wäre das Abenteuer wahrscheinlich deutlich steriler, vielleicht sogar zu steril. Mit ihr erhält die gesamte düstere Mondmission eine emotionale Achse.
Das Herzstück von Pragmata - Hacking
Vor allem das Zusammenspiel aus Third-Person-Action und Hacking hat mich spielerisch überrascht. Auf dem Papier klingt das zunächst wie eine riskante Mischung. Im Spiel funktioniert sie jedoch erstaunlich gut, da beide Elemente miteinander verzahnt sind. Hugh übernimmt den direkten, physischen Part: Bewegung, Positionierung, Schusswaffen, das klassische Überleben im Kampf. Diana hingegen greift über Hacking in die Gefechte ein. Dadurch werden Kämpfe nicht nur zu einer Angelegenheit von Zielen und Ausweichen, sondern es kommt immer auch ein zweiter Layer hinzu, der Aufmerksamkeit fordert. Dieses Prinzip verleiht den Auseinandersetzungen eine eigene Identität. Es fühlt sich nicht wie ein Standard-Shooter mit Science-Fiction-Look an, sondern tatsächlich wie etwas, das seinen eigenen Rhythmus sucht. Gerade zu Beginn fand ich diesen Ansatz sehr stark. Die Kämpfe wirken anders als in vielen vergleichbaren Spielen, weil ich nicht nur reaktiv auf Gegner feuere, sondern auch mitdenken muss. Wann nutze ich welche Möglichkeit? Wie verschaffe ich mir einen Vorteil? Wo lohnt es sich, kurz das Tempo rauszunehmen, um den nächsten Schritt sauber vorzubereiten? Dieses Zusammenspiel ist ein wichtiger Teil der Spannung.

Gleichzeitig ist es aber auch der Punkt, an dem Pragmata nicht für jeden gleich gut funktionieren wird. Das Spiel verlangt nämlich die Bereitschaft, sich auf seine Mechanik einzulassen. Wer einen unmittelbar zugänglichen Actiontitel erwartet, könnte die zusätzlichen Ebenen anfangs als Hemmnis empfinden. Ich selbst hatte nach einer kurzen Eingewöhnungszeit aber genau an dieser Besonderheit meinen Spaß. Auch das Treffergefühl und die allgemeine Steuerung auf der PS5 hinterlassen einen guten Eindruck. Das Spiel wirkt kontrolliert, präzise und meist angenehm direkt. Es spielt sich nie träge, was angesichts der eher schweren, dichten Atmosphäre wichtig ist. Gleichzeitig würde ich nicht behaupten, dass jede Schießerei sofort zum Highlight wird. Es gibt Momente, in denen die Kämpfe mehr durch ihre Idee als durch pure Wucht überzeugen. Das hat mir persönlich gereicht, weil ich das Gefühl hatte, dass hier nicht nur auf Effekt gesetzt wird. Wer allerdings ein kompromissloses Action-Spiel erwartet, könnte sich gelegentlich etwas mehr Druck, mehr Härte und mehr Eskalation wünschen.
Hier fühle ich mich als wäre ich zuhause
Besonders gut hat mir der Aufbau der Spielwelt gefallen. Die Mondstation ist nicht einfach eine Ansammlung hübscher Korridore, sondern vermittelt immer wieder das Gefühl eines verlassenen, gescheiterten Ortes. In den Räumen steckt überall Geschichte. Man merkt, dass hier einmal alles funktioniert hat, bevor es kollabierte. Dieses Gefühl des Nachhalls, das Erkunden einer beschädigten Zukunft, trägt die gesamte Erfahrung. Es ist kein offenes Spiel im klassischen Sinne, sondern eines, das über Räume, Blickachsen und Details seine Wirkung entfaltet. Ich habe mich oft dabei ertappt, langsamer zu gehen als nötig, um die Umgebung in mich aufzunehmen. Visuell ist das Ganze ohnehin eine Wucht. Capcoms RE Engine liefert Bilder, die oft genau die passende Mischung aus klinischer Kälte und futuristischer Schönheit treffen. Licht, Oberflächen, technische Strukturen, sterile Weite und dann wieder intime, beinah zerbrechliche Momente zwischen den Figuren – all das sieht auf der PS5 richtig stark aus.

Besonders beeindruckt hat mich das Artdesign. Pragmata sieht modern und hochwertig aus, ohne dabei gesichtslos zu wirken. Das ist in einem Genre, das schnell in austauschbare Neon- und Metalloptik abrutscht, alles andere als selbstverständlich. Dazu kommt eine akustische Inszenierung, die maßgeblich zur Wirkung beiträgt. Ich habe den Soundtrack nicht als aufdringlich empfunden, sondern eher als gezielte Unterstützung der Atmosphäre. Die Musik drängt sich selten in den Vordergrund, bleibt aber oft genau dann im Gedächtnis haften, wenn das Spiel emotional oder geheimnisvoll wird. Noch wichtiger fand ich allerdings das Sounddesign der Umgebung: Maschinen, Hallräume, technische Störungen, Leere. All das verstärkt den Eindruck, sich an einem Ort aufzuhalten, der gleichzeitig hochentwickelt und innerlich längst tot ist.
Emotionalität in einem Capcom Spiel
Ein weiterer Punkt, den ich stark fand, ist der Schutzraum beziehungsweise die ruhigere Seite des Spiels. Diese ruhigeren Passagen sind mehr als nur funktionale Zwischenstationen. Für mich waren sie wichtig, da sie dem Spiel Luft geben. Nach intensiveren Abschnitten kurz herunterzufahren, mit Ressourcen und Verbesserungen zu arbeiten und dabei die Beziehung der beiden Figuren weiterzuentwickeln, gibt dem Ganzen so viel Struktur. Dadurch entsteht nicht das Gefühl einer bloßen Level-Abfolge, sondern das einer Reise mit gemeinsamen Etappen, auf der die Bindung zwischen Hugh und Diana immer stärker wird. Allerdings ist genau hier auch ein kleiner Schwachpunkt zu finden. So sehr ich diese entschleunigten Momente mochte, so merkt man im Mittelteil doch, dass Pragmata sein Tempo nicht immer perfekt ausspielt. Das Spiel startet stark, baut früh Neugier auf und etabliert sein System überzeugend. Im weiteren Verlauf gibt es jedoch Passagen, in denen die Faszination etwas nachlässt, weil neue Impulse zu sparsam gesetzt werden.

Die Mechaniken funktionieren zwar weiterhin und die Geschichte bleibt interessant, aber der große Zug nach vorne ist nicht konstant vorhanden. Das ist jedoch kein Einbruch, der das Spiel für mich kaputtgemacht hätte. Es ist jedoch der Moment, in dem aus einem möglichen Meisterwerk eher ein sehr gutes, stellenweise besonderes Spiel wird. Ich hatte nie das Gefühl, abbrechen zu wollen. Dafür ist die Welt zu spannend und die Beziehung der beiden Hauptfiguren zu gut gelungen. Dennoch hätte dem Mittelteil etwas mehr Straffung oder ein stärkerer spielerischer Entwicklungsschub gutgetan. Gerade weil der Einstieg und das Finale zeigen, welches Potenzial in diesem Spiel steckt, fallen kleinere Längen stärker auf.
FAZIT:
Für mich ist Pragmata auf der PlayStation 5 ein starkes Science-Fiction-Abenteuer, das vor allem durch Atmosphäre, Inszenierung und die Beziehung seiner beiden Hauptfiguren überzeugt. Das Zusammenspiel aus Action und Hacking verleiht dem Spiel eine besondere Note und hebt es angenehm von anderen Genrevertretern ab. Visuell ist das Abenteuer beeindruckend. Dazu kommt eine dichte, oft fast schon beklemmende Stimmung, die mich bis zum Ende gefesselt hat. Allerdings ist nicht alles makellos. Vor allem im Mittelteil verliert das Spiel etwas an Tempo und nicht jede spielerische Idee entfaltet dauerhaft dieselbe Kraft. Trotzdem bleibt am Ende ein Titel, der sich etwas traut und genau deshalb in Erinnerung bleibt. Wer auf storygetriebene Science-Fiction mit einer starken Atmosphäre steht und über kleine Schwächen hinwegsehen kann, erlebt hier etwas Spannendes und Ungewöhnliches, das garantiert Spaß macht! Versprochen.
[ Review verfasst von Kazuma ]
[ Gespielt auf der PlayStation 5 Pro mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Starke und dichte Science-Fiction-Atmosphäre
- Interessantes Zusammenspiel aus Action und Hacking
- Emotionale Dynamik zwischen Hugh und Diana
Minuspunkte:
- Mittelteil mit kleinen Tempoproblemen
- Nicht jede Kampfsequenz zündet gleich stark
- Einige Storymotive wirken vertraut