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PS5

MOUSE: P.I. for Hire

15. Mai 2026

Lesezeit: 7 Min.

MOUSE: P.I. for Hire

Seit einigen Jahren feiern sogenannte Boomer-Shooter ein Comeback. Ego-Shooter wie „Doom“, „Duke Nukem 3D“ und „Outlaws“, die heutzutage als Klassiker zählen, sind auch auf aktuellen Konsolen spielbar. Doch es erscheint auch neues Spielfutter! Beispielsweise „Warhammer 40K: Bolt Gun“ oder „Turbo Overkill“. Und natürlich das hier getestete „Mouse: P.I. for Hire“, dass im Grunde ein ähnlich rasantes Gameplay bietet, aber doch auch eine ganz eigene Note mit sich bringt. Alles Weitere erfahrt ihr in unserem Test.

Es beginnt mit einem Fall…

Das erste Level dient quasi als Tutorial und ebnet den Weg für die umfangreiche Geschichte um den Privatdetektiv Jack Pepper und seine Eskapaden in Mouseburg. Der ehemalige Kriegsveteran wird in die Wirren der damaligen Zeit hineingezogen, in der Mafia, geheimnisvolle Femme Fatales, korrupte Polizisten, verrückte Wissenschaftler und eine aufziehende nationalistische Bewegung, die Große Mäuse Partei, eine Rolle spielen. Dabei scheuen sich die Entwickler nicht, auch problematische Themen anzusprechen, beispielsweise in Form des Verschwindens bzw. der Verfolgung der Spitzmäuse. Aber auch abseits davon existieren viele Anspielungen, Gimmicks und Gags für Fans. Über eine Ermittlungswand in seinem Büro kann Jack Hinweise zusammenführen und so neue Spuren entdecken. Dabei stellt sich heraus, dass alles irgendwie miteinander verbunden ist. Doch bevor das Ende erreicht ist, vergeht einige Zeit. Das Spiel ist nämlich recht umfangreich. Man sollte schon 15 Stunden einplanen, mehr, wenn man alle Geheimnisse finden will, weniger, wenn man nur durch die Levels rennt. Davon gibt es übrigens ziemlich viele. Gegen Ende lässt die Spannung jedoch ein wenig nach, was vor allem daran liegt, dass die komplexe Geschichte hauptsächlich durch Zeitungsartikel, Notizen und Jacks Selbstgespräche vorangetrieben wird. Einige zusätzliche Zwischensequenzen hätten das Ganze ungemein aufgewertet. So aber verliert sich die Story etwas in der Belanglosigkeit.

Boomer-Shooter oder doch nicht?

Das Gameplay von Boomer-Shootern ist klar definiert: Es gibt rasante Shoot-outs, viele Waffen, die man auch gleichzeitig mit sich tragen kann, umfangreiche Levels, die eher an Labyrinthe erinnern, massenhaft versteckte Geheimnisse, sporadische Bosskämpfe und natürlich diverse Gadgets. Regenerative Gesundheit sucht man vergebens, hier kann man nur durch „Medizin“ geheilt werden. Im Prinzip also genau das Gegenteil von aktuellen „Call of Duty“- oder „Battlefield“-Spielen. „Mouse: P.I. for Hire“ wird dem Ganzen auch größtenteils gerecht. Es gibt mehrere Waffen, die man jederzeit (sofern sie freigeschaltet sind) über ein Waffenrad auswählen kann. An bestimmten Punkten findet man Gadgets und Jack lernt neue Bewegungsmoves wie Doppelsprung und Wandlauf. In den Levels findet man Medizin und Rüstung sowie viele Geheimnisse, von denen manche leicht und andere schwer zu finden sind. Ab der Hälfte des Spiels werden die Levels zudem deutlich kreativer und bieten dadurch mehr Abwechslung. Natürlich gibt es auch Bosskämpfe, wobei die Schwierigkeit recht stark variiert. Einige sind sehr leicht, andere erfordern das Auswendiglernen von Abläufen. Die Umgebung kann dabei auch zum Hindernis werden, wenn beispielsweise der Boden in Flammen steht oder die Sumpfbrühe toxisch wirkt. 

Da dieses Spiel einen großen Fokus auf die Geschichte legt, sind leider nicht alle Levels so konzipiert, dass man immer wieder umkehren kann, um noch die letzte Ecke nach einem Geheimnis abzusuchen. Oftmals schließt sich die Tür hinter einem und man kann nur noch vorwärtsschreiten. Das ist ein bisschen schade, denn so kann man tatsächlich viele Sammelgegenstände verpassen. Unter anderem auch die wichtigen Blaupausen, mit deren Hilfe man in der Werkstatt zwischen den Levels seine Knarren aufmotzen kann. In diesem Hub-Level befindet sich auch Jacks Büro mit der Pinnwand. Außerdem laden viele Charaktere zum Plaudern ein und haben den einen oder anderen Nebenauftrag parat. Zudem kann man hier (oder in den Raststätten) das eigene Minispiel spielen –eine Art Baselball nur in Kartenform. Jedoch muss man vorher eine Startgebühr entrichten. Sein Kartendeck kann man mit neuen Karten, die man in den Levels findet oder beim Waffenhändler kauft, erweitern und verbessern. Es steckt nicht viel Strategie dahinter, aber es macht kurzweiligen Spaß und am Ende kann man auch noch etwas abstauben!

Der größte Kritikpunkt am Spiel ist das unfaire Gegner-Spawning: Diese dringen oft in Wellen durch Türen in die Levels ein und erst wenn alle Gegner besiegt sind, darf man weiterziehen. Von normalen Schlägern, fliegenden Schergen, Kultisten mit Shotguns, Raufbolde und Scharfschützen ist alles dabei – auch Roboter und Teufel! Dummerweise ploppen diese aber oft hinter dem Rücken des Spielers auf. Das führt dazu, dass man ständig in Bewegung bleiben muss, um nicht einen vermeidbaren Tod zu sterben. Dabei rennt man aber auch vielmals an wichtiger Munition oder Medizin vorbei. Immerhin gibt es eine akustische Entwarnung, wenn alle Gangster beseitigt sind, und die Gegner-Türen bleiben offenstehen. Die Waffenauswahl ist umfangreich, aber nicht jede Waffe ist gleich nützlich, manche sind einfach zu schwach. Am besten haben mir das James-Gun-Maschinengewehr und der Lacklöser gefallen, da sie auch auf Distanz äußerst wirkungsvoll sind. Es gibt nur wenige Rätsel, was bei einem Ego-Shooter keine Überraschung sein sollte. Ein wenig mehr Ermittlungsarbeit oder Spurensuche hätte dem Detektiv-Abenteuer aber ab und an auch gutgetan. Immerhin bietet der Titel keinerlei Stealth-Abschnitte: Jack löst alle Probleme mit stumpfer Gewalt!

Letztendlich ist „Mouse: P.I. for Hire” ein Boomer-Shooter mit Herz und Seele, aber eben nicht der beste Vertreter des Genres. Das muss der Titel aber auch nicht, denn neben dem Gameplay ziehen vor allem die audiovisuelle Aufbereitung und die dichte Film-Noir-Atmosphäre in ihren Bann. Da verzeiht man dann doch die eine oder andere Schwäche.

Schwarz und Weiss

Wenn ich an ein Videospiel denke, das die Optik klassischer Cartoons aus dem letzten Jahrhundert perfekt einfängt, fällt mir spontan „Cuphead“ ein. „Mouse: P.I. for Hire“ beschreitet einen ähnlichen Weg und orientiert sich an den ersten Micky-Maus-Kurzfilmen und den Fleischer-Cartoons – allerdings eben in Form eines Ego-Shooters. Das funktioniert wirklich toll: Die Hintergründe und Kulissen könnten glatt aus solchen Filmchen entsprungen sein, und obwohl sich die Charaktere unterscheiden, ist die Inspiration sofort erkennbar. Auch Gimmicks wie die animierten Knarren, die mitunter lustigen Sterbesequenzen der Gegner und kleine Details wie animierte Blumen und Spinnen sind einfach nur klasse umgesetzt und unterstreichen die dichte Atmosphäre. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ist es zum einen die Schwarz-Weiß-Grafik, die auf Dauer mitunter anstrengend werden kann, und zum anderen die Framerate, die in offenen Abschnitten schnell einknickt. Das darf auf der PS5 Pro nicht passieren! Zumal sich die Optik stark an dem originalen „Doom“ und anderen Build-Spielen von vor über 20 Jahren orientier! Auf der PS5 existieren übrigens zwei Grafikmodi: „Performance“ bietet keine halbwegs stabile Framerate, dafür aber starkes Aliasing und eine recht niedrige und dadurch verwaschene Bildauflösung. „Quality“ läuft zumindest auf der PS5 Pro ähnlich wie „Performance“, merzt aber das Aliasing größtenteils aus und sorgt für ein deutlich schärferes und feineres Bild. Eine Glanzleistung ist das aber nicht, weder im Performance- noch im Quality-Modus.

Dafür gibt es beim Big-Band-Jazz-Soundtrack weniger zu meckern, denn neben bekannten Songs und einigen neuen Interpretationen von klassischem Material präsentiert er sich immer passend, was der Atmosphäre voll und ganz zugutekommt. Gleiches gilt für die englischen Sprecher, die den Charme der Figuren gekonnt herüberbringen. Vor allem Troy Baker erledigt einen hervorragenden Job als Jack Pepper. Aber auch die restliche Besetzung steht Mr. Baker in nichts nach. Bravo! Die deutsche Übersetzung ist ebenfalls gelungen, was nicht zuletzt daran liegt, dass mit Heinrich Lenhardt ein Profi am Werk war. Einzig die Umsetzung hätte mehr Feingefühl verlangt: Der Unentschieden-Bildschirm beim Kartenspiel hinterlässt beispielsweise einen faden Beigeschmack. Erwähnenswert sind auch die Soundeffekte, die das Cartoon-Thema gut aufgreifen und auch als Audiohilfe dienen. So weiß man beispielsweise bei einem bestimmten Sample, dass man alle Gegnerwellen eliminiert hat.

FAZIT:

Kudos an die Entwickler – vor allem dafür, dass sie die Idee eines Boomer-Shooters mit klassischer Cartoon-Optik der 30er Jahre und Film-Noir-Anleihen so konsequent durchgezogen haben. Das Spiel wirkt wie aus einem Guss. Schade nur, dass der ansonsten tadellose Eindruck durch einige Mängel getrübt wird – allen voran durch die unfairen Gegner-Spawn-Punkte und die Tatsache, dass man Sammelgegenstände verpassen kann bzw. sich die Levels nicht wiederholen lassen. Wer einen rasanten Ego-Shooter mit einzigartigem Flair sucht, wird hier dennoch fündig. Es ist kein Über-Hit, aber definitiv ein Videospiel, das man gespielt und erlebt haben sollte. 

[ Review verfasst von .ram ]

[ Gespielt auf einer PS5 Pro mit 4K HDR TV ]

Pluspunkte:

  • Film Noir trifft auf klassische Micky Maus
  • Stilistisch perfekt eingefangen
  • Relativ umfangreiche Kampagne

Minuspunkte:

  • Spawn punkte von Gegnern oft unfair
  • Verpassbare Sammelgegenstände
  • Optisch sollte eine stabile Framerate drin sein

WERTUNG

Atmosphäre
8.0
Gameplay
8.0
Grafik
7.5
Sound
9.0
Werbung
Screenshots
MOUSE: P.I. for Hire
MOUSE: P.I. for Hire
MOUSE: P.I. for Hire
MOUSE: P.I. for Hire +82
Name MOUSE: P.I. for Hire
Release 16.04.2026
Plattform PS5
Genre Action
Developer Fumi Games
Spieleranzahl 1
Sprache Englisch
Texte Deutsch
Zum Spiel