Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2
Kaum eine andere Videospielreihe hat das Stealth-Genre so nachhaltig geprägt und gleichzeitig mit einer derart filmreifen Inszenierung verbunden wie Metal Gear Solid. Seit den Anfängen der Serie steht die Marke für taktische Infiltration, komplexe Verschwörungen und Geschichten, in denen die Grenzen zwischen Held und Feind immer wieder verschwimmen. Mit der Metal Gear Solid Master Collection Vol. 2 bringt Konami nun weitere Kapitel der traditionsreichen Reihe auf die PlayStation 5 und gibt Fans die Möglichkeit, in einige der bekanntesten Missionen und Erzählungen des Franchises einzutauchen. Mit Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots und Metal Gear Solid: Peace Walker treffen dabei zwei Spiele aufeinander, die unterschiedliche Phasen der Seriengeschichte beleuchten. Während Solid Snake in seinem letzten großen Einsatz mit den Folgen einer von Kriegen geprägten Welt konfrontiert wird, erzählt Peace Walker die Geschichte von Big Boss und dem Aufbau seiner eigenen militärischen Organisation. Ergänzt wird das Paket durch den Handheld-Ableger Metal Gear: Ghost Babel. Doch wie gut schlagen sich die Klassiker auf der PlayStation 5, und gelingt es der Sammlung, die besonderen Stärken der Originale auch heute noch überzeugend zur Geltung zu bringen?
Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots
Als Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots im Jahr 2008 für die PlayStation 3 erschien, gehörte das Spiel zweifellos zu den meisterwarteten Titeln seiner Zeit. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie jeder neue Trailer für unzählige Diskussionen unter den Fans sorgte. Als das Spiel schließlich veröffentlicht wurde, entwickelte es sich nicht nur zu einem kommerziellen Erfolg für Konami, sondern auch zu einem Publikumsliebling unter vielen Metal-Gear-Anhängern.
Die Handlung spielt mehrere Jahre nach den Ereignissen von Metal Gear Solid 2 und zeigt eine Welt, in der die Kriegswirtschaft längst zu einer treibenden Kraft geworden ist. Im Hintergrund kontrolliert eine bösartige KI weite Teile dieses Systems und bildet damit den Rahmen für Solid Snakes letzten großen Einsatz. Im Grunde dient die Geschichte dabei auch als Vehikel, um zahlreiche Handlungsstränge und Figuren aus den vorherigen Teilen zusammenzuführen und Kojimas Stealth-Saga zu einem gebührenden Abschluss zu bringen. Eine Besonderheit von MGS4 war lange Zeit allerdings nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch die Tatsache, dass der Titel bis zur Veröffentlichung der Master Collection Vol. 2 ausschließlich auf der PlayStation 3 spielbar war. Häufig wurde vermutet, dass die spezielle Architektur der PS3 und der ursprüngliche Programmcode einen einfachen Port erschwerten. Was letztendlich tatsächlich hinter der langen Exklusivität steckte, ist bis heute nicht vollständig bekannt. Umso erfreulicher ist es, dass das Entwicklerteam bei der Umsetzung für die PS5 einen hervorragenden Job geleistet hat. Während das Original auf der PS3 je nach Situation häufig zwischen 20 und 60 Bildern pro Sekunde lief, präsentiert sich die Neuauflage nun mit konstant flüssigen 60 FPS und minimalen Ladezeiten.

Auch optisch kann sich MGS4 meiner Meinung nach noch immer sehen lassen. Natürlich gibt es einige Texturen, die bereits auf der PS3 nicht besonders ansehnlich waren und mittlerweile etwas angestaubt wirken. Dank einer hervorragenden Art Direction besitzt das Spiel jedoch nach wie vor einen ganz eigenen visuellen Stil, der auch heute noch überzeugt. Gerade die unterschiedlichen Schauplätze und die markante Inszenierung tragen dazu bei, dass der Titel trotz seines Alters keineswegs austauschbar wirkt. Weniger gut gealtert ist hingegen das Storytelling. Was ich damals im frischen Alter von 22 Jahren noch als absolutes Nonplusultra in Sachen Storytelling empfunden habe, entpuppte sich beim erneuten Durchspielen stellenweise als eine Aneinanderreihung vieler Worte, die nicht immer die inhaltliche Tiefe erreichen, die ich in Erinnerung hatte. Auch einige Charaktere, allen voran Akiba, hinterließen bei mir diesmal einen eher fragwürdigen Eindruck. Was ich früher noch als charmante Slapstick-Einlage durchgehen ließ, wirkt heute teilweise überzogen und unpassend. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Kojimas eigenwillige und skurrile Inszenierung, doch gerade im Vergleich zu Metal Gear Solid 1, 2 und 3 vermisst MGS4 an einigen Stellen die erzählerische Klasse und Ausgewogenheit seiner Vorgänger.
Beim Gameplay hatte ich dagegen deutlich weniger auszusetzen. Die Steuerung fühlt sich auch heute noch angenehm direkt an, was nicht zuletzt den damaligen Bemühungen des Produzenten Ryan Payton zu verdanken ist. Er setzte sich seinerzeit dafür ein, die Steuerung stärker an westliche Third-Person-Shooter anzulehnen und damit den Einstieg zugänglicher zu gestalten. Das Ergebnis funktioniert nach wie vor gut und sorgt dafür, dass sich die Schleichpassagen und Feuergefechte auch auf der PS5 angenehm spielen lassen. Alles in allem war die Rückkehr zu Metal Gear Solid 4 trotz der Höhen und Tiefen eine wundervolle Erfahrung. Der Titel hat mich mit seinen großen Momenten, seiner Atmosphäre und dem Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Figuren erneut gepackt. Auch wenn ich manche Aspekte heute kritischer betrachte als damals, habe ich die Reise als langjähriger Metal Gear Fan von Anfang bis Ende genossen.
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Metal Gear Solid: Peace Walker
Die Geschichte rund um Metal Gear Solid: Peace Walker ist fast genauso interessant wie die von MGS4. In zahlreichen Interviews bezeichnete Hideo Kojima den Handheld-Titel damals als inoffiziellen fünften Teil der Serie, der die Geschichte von Big Boss nach den Ereignissen von MGS3 weitererzählen sollte. Schon in Peace Walker wird deutlich, dass Kojima eine Idee weiterverfolgte, die ihren Anfang in Portable Ops nahm und in MGS5 schließlich perfektioniert wurde: Big Boss als Anführer seiner eigenen Militäreinheit. Während das Gameplay weiterhin auf der altbekannten Tactical Espionage Action basiert, die die Serie berühmt gemacht hat, legt Peace Walker einen starken Fokus auf den Aufbau der eigenen Militärbasis und die Rekrutierung von Personal. Als das Spiel für Sonys Handheld erschien, erwies sich diese Mischung aus klassischem Metal Gear-Gameplay und Einflüssen aus Pokémon und Monster Hunter als echter Glücksgriff. Und auch heute noch macht Peace Walker dank seiner hervorragenden Gameplay-Loop ungemein viel Spaß. Die Schleichmissionen sind kurz und kompakt, spielen sich dank des zweiten Analogsticks aber deutlich angenehmer als noch auf der PSP. Gerade die verbesserte Steuerung sorgt dafür, dass sich das Gameplay in dieser Neuauflage wesentlich zugänglicher anfühlt.
Was die Story angeht, muss man Kojima zugutehalten, dass Peace Walker die Thematik des dritten Teils nicht nur gelungen fortsetzt, sondern auch wichtige Grundpfeiler für MGS5 legt. Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass mich Big Boss' Werdegang nie ganz so sehr gepackt hat wie die moderneren Geschichten rund um Solid Snake und Co. Dennoch ist es bemerkenswert, dass Kojima trotz des kleineren Formfaktors der PSP kaum erzählerische oder spielerische Kompromisse einging. Bei der Neuauflage handelt es sich offenbar um einen Port der HD-Version von 2011. Größere Neuerungen oder technische Verbesserungen sucht man daher vergeblich. Auf einem großen 4K-Fernseher wirkt das Spiel stellenweise etwas altbacken, bleibt aber definitiv gut spielbar. Wer möchte, kann Peace Walker außerdem im Online-Modus angehen und die Kampagne gemeinsam mit bis zu drei weiteren Mitstreitern bestreiten.
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Und was hat die Kollektion noch zu bieten?
Neben den beiden großen Hauptspielen bietet die Master Collection Vol. 2 noch einige zusätzliche Inhalte. Besonders interessant ist dabei Metal Gear: Ghost Babel, das erstmals seit seiner ursprünglichen Veröffentlichung für den Game Boy Color im Jahr 2000 portiert wurde. Das simple, aber authentische Metal Gear Gameplay funktioniert auch heute noch erstaunlich gut und macht trotz seines Alters weiterhin Spaß. Darüber hinaus sind eine umfangreiche MGS4 Database, digitale Screenplay Books zu MGS4 und Peace Walker sowie verschiedene Master Books mit zusätzlichen Informationen zu Charakteren und Handlung enthalten. Abgerundet wird das Paket durch den Metal Gear Solid: Digital Soundtrack Vol. 2, der zahlreiche Musikstücke aus der Reihe umfasst. Gerade Ghost Babel ist damit eine nette Ergänzung für Fans, die den ungewöhnlichen Handheld-Ableger bislang nicht nachholen konnten.
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FAZIT
Ich muss zugeben, dass ich nach fast 20 Jahren nicht mehr damit gerechnet habe, MGS4 noch einmal auf einer modernen Konsole zu sehen. Zwar steht bei mir nach wie vor eine alte PS3 herum, die ich lange Zeit fast ausschließlich als MGS-Maschine genutzt habe, doch auch hier ist die Motivation, sie für eine Runde Metal Gear anzuschließen, in den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Umso schöner ist es, dass wir dank des wiedererstarkten Konami nun (fast) alle Metal Gear Spiele auf der PS5 erleben können. Klar, es wäre natürlich schön gewesen, auch Metal Gear Online zurückzubekommen, aber man will ja nicht gierig sein. Alles in allem ist Volume 2 eine gelungene Edition, die mit den AC!D-Spielen, Portable Ops oder Revengeance vielleicht noch etwas umfangreicher hätte ausfallen können. Dennoch kann man am Ende des Tages froh sein, endlich wieder auf MGS4 zurückgreifen zu können – auch wenn das Spiel sicherlich nicht mehr der heilige Gral ist, wie mein Kollege .ram bereits 2008 in seiner Meinung zu Metal Gear Solid 4 treffend formulierte und ich nun, fast 20 Jahre später, ebenfalls feststellen musste.
[ Review verfasst von Dimi ]
[ Gespielt auf einer PlayStation 5 mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Hervorragende technische Umsetzung von MGS4
- Zeitloses Stealth-Gameplay
- Reichlich Content inkl. 3 Spiele, Storybooks, Soundstracks und mehr
Minuspunkte:
- Teilweise schlecht gealtertes Storytelling
- Veraltete Technik bei Peace Walker
- Fehlende zusätzliche Spiele, wie Portable Ops oder AC!D 1 und 2