LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters
Seit dem letzten großen Spiel von TT Games, Lego Star Wars: Die Skywalker Saga, sind vier Jahre vergangen. Das Studio hatte zwischen 2005 und 2019 eine Formel für Lego-Spiele gefunden und perfektioniert. Mit Lego Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters wendet man sich nun abermals von dieser Formel ab und präsentiert frische Ideen. So gibt es statt einer Vielzahl von spielbaren Charakteren nur sieben Stück und ein Kampfsystem, das an die Batman: Arkham-Reihe angelehnt ist. Mutige Schritte, die zu einem hervorragenden Ergebnis führen!
Ich bin Batman!
Nach einem Kinobesuch wandert eine junge Familie durch die Park Row: der Milliardär Thomas Wayne mit seiner Frau Martha und seinem Sohn Bruce. Nichtsahnend nimmt das Schicksal seinen Lauf und der junge Bruce bleibt elternlos zurück. Zehn Jahre sind seit diesem Vorfall vergangen, und die Straße trägt nun den Namen „Crime Alley“. Bruce sieht in dem Mafioso Falcone einen der Verantwortlichen und will Antworten zum Tod seiner Eltern, doch er bekommt keine. Stattdessen trifft er auf Ra's al Ghul, der ihn in die Liga der Schatten aufnehmen will.
Die Geschichte rund um Bruce Wayne und sein Alter Ego Batman bedarf keiner großen Erklärung. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Filmadaptionen, die die Ursprünge und den Werdegang der Figur zeigten. Auf den ersten Blick könnte man daher meinen, TT Games liefere nur eine simple Nacherzählung der Filmhistorie – doch hier irrt man sich! Die Filme dienen als grobes Grundgerüst, um die Charaktere einzuführen. Man startet in der Welt von „The Batman” bzw. „Batman Begins”, springt dann in die Tim-Burton-Ära, streift die Schumacher-Filme, unternimmt einen kurzen Abstecher in die Animationsserie und für das Finale geht es zurück zu Christopher Nolan. Das Spiel erzählt jedoch eine eigene Geschichte, die all diese Filme thematisch verknüpft. TT Games beweist hier wirklich, dass sie das Konzept von Batman und seiner erweiterten Familie verstehen.

Welche Superkräfte hast du noch gleich?
Der neue Ansatz ist nicht nur bei der Handlung spürbar. Wir müssen uns von den über hundert freischaltbaren Charakteren verabschieden. Es gibt nur noch sieben essenzielle Figuren: Batman, Jim Gordon, Catwoman, Robin, Batgirl, Nightwing und eine weitere, die vorerst geheim bleibt. Alle Figuren haben ähnliche Kampf- und Bewegungsoptionen. Mit dem Greifhaken, dem Gleitschirm oder dem Cape kommt man schnell durch Gotham und kann per Knopfdruck sein charakterspezifisches Fahrzeug rufen.

Der große Unterschied liegt in der Spezialisierung: Nur Catwoman kann Glas schneiden und nur Nightwing kann elektronische Geräte laden und verbinden. Zudem verfügt jede Figur über je zwei Gadgets, die man gesondert verbessern kann. Die Levelstruktur sieht immer nur einen festen Koop-Partner vor. Ein Durchwechseln im Level, um Bereiche zu öffnen, ist nicht nötig. Für jede abgeschlossene Mission gibt es einen goldenen Stein, den man in globale Fähigkeiten wie mehr Herzen oder eine schnellere Fokusaufladung investieren kann.
Die Fokusaufladung ist eine Neuerung für spezielle Finisher. Nach dem Einführungskampf merkt man sofort: Hier steckt eine gehörige Portion Arkham Asylum drin. Der beliebte Freeflow-Combat kommt zum Einsatz, bei dem man sich Gruppen von Gegnern mit Schildern, Schlägern oder Pistolen stellt. Gezielte Konter und Ausweichmanöver halten den Combo-Zähler hoch. Eine solche Finesse wie bei den Arkham-Spielen sollte man zwar nicht erwarten, jedoch sind die Kämpfe für ein Lego-Spiel deutlich abwechslungsreicher als das einfache Schlagen. Wer möchte, kann auch heimlich vorgehen und Bösewichte von den gut platzierten Gargoyles aus ausschalten. Das Schleichsystem ist jedoch sehr einfach gestaltet und bietet mit Kameras und Überwachungsdrohnen etwas Abwechslung.

Heiliger Buchstabensalat, Batman!
Abseits der Missionen bietet Gotham zahlreiche Herausforderungen. Diese sind deutlich besser in das Gameplay eingebunden als bei den Vorgängern. Zwischen den einzelnen Handlungsmissionen muss man sich immer wieder an verschiedene Schauplätze begeben und kleinere Aufgaben meistern. Diese bringen die Geschichte weiter oder erklären Nebenmissionen. Den Großteil eurer Zeit in Gotham werdet ihr mit dem Lösen der Riddler- und Cluemaster-Rätsel verbringen. TT Games hat sie an jeder Ecke versteckt, oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Da sich die Aufgaben jedoch oft wiederholen und selten anspruchsvoll sind, tritt schnell eine gewisse Ermüdung ein – besonders bei über 100 Stück. Eine willkommene Abwechslung bieten die Puzzle-Räume. Weitere Aufgaben sind Catwoman-Einbrüche, Robin-Ermittlungen zu Killer Croc oder diverse Renn-, Kampf- und Akrobatik-Missionen. Letztere auf Gold zu meistern, erfordert einiges an Können.

Selbst wenn man diese Aufgaben gelöst hat, bleiben noch zahlreiche Such- und Sammelaufgaben. In der Welt und in Missionen sind zahlreiche Kisten mit Verbesserungschips für die Gadgets versteckt. Schnellreisepunkte müssen mühsam freigeschaltet werden und für die Bathöhle sind zahlreiche Trophäen zu finden. In den Missionen selbst gibt es außerdem einen Roten Stein zu finden. Dieser schaltet jedoch keinen Cheat, sondern eine optische Anpassung der Figur frei. Aber warum sollte man sich das alles antun?
Die Eiszeit ist angebrochen!
Durch die Reduzierung der spielbaren Charaktere gibt es nun eine Vielzahl spezieller Kostüme, die durch das Absolvieren von Sammelaufgaben freigeschaltet werden können. Diese sind an Comic- oder Filmvorlagen angelehnt – von der neuen Interpretation von „The Batman” bis hin zum Schumacher-Klassiker (leider ohne Nippel!). Auch die erste spielbare Version von „Absolute Batman" (ohne Axt) ist dabei. Da alle Zwischensequenzen in Echtzeit gerendert werden, können die detaillierten Kostüme in jeder Szene bewundert werden.

Noch mehr Anpassungsmöglichkeiten gibt es in der Bathöhle. Im Laufe des Abenteuers kann man sie wieder erweitern und mit zusätzlichen Räumen ausstatten. Diese bieten die Möglichkeit, auf speziellen Flächen die unterschiedlichen Trophäen oder andere Objekte auszustellen. Auch lassen sich verschiedene Bereiche wie der Batcomputer, das Batsymbol oder die Batposter weiter personalisieren. Wer sich der Mammutaufgabe stellt und alle 50 Batsymbole sammelt, bekommt auch den legendären T-Rex ausgestellt.
Warum fallen wir, Bruce?
Auch hier setzt man wieder auf die Unreal Engine 5, die ein beeindruckendes Ergebnis zaubert. Sowohl die LEGO-Figuren als auch Gotham sehen fantastisch aus. Besonders, wenn der Regen einsetzt und man jeden einzelnen Regentropfen auf den Figuren sieht. Auch die Neon-Lichteffekte lassen die Stadt in ihrer ewigen Nacht gut aussehen. Es gibt jedoch die üblichen UE5-Probleme, bei denen es immer wieder zu kleineren Pop-Ins kommt. Ansonsten läuft das Spiel im Fidelity-Modus mit 4K-Auflösung und 30 Bildern pro Sekunde. Im Performance-Modus gibt es dynamisches 4K mit dem Ziel von 60 FPS. Wer möchte, kann auch alles im Koop erleben, wobei sich hier die Auflösung und die FPS deutlich reduzieren. Das Ergebnis bleibt aber weiterhin angenehm spielbar.

Akustisch gibt es nicht viel zu bemängeln. Das Spiel wurde vollständig ins Deutsche übersetzt und vertont. So wird Batman beispielsweise von Marios Gavrilis gesprochen, den man auch aus „Death Stranding” kennt. Auch die anderen Sprecher sind mit bekannten Stimmen besetzt. Bei der Übersetzung mancher Wörter könnte man meinen, die KI habe mitgeholfen. Doch diese sind im Englischen ebenso sperrig. Musikalisch gibt es einige eigene Themen, aber auch viele, die von den bekannten Vorlagen übernommen wurden. Hier sticht jedoch nichts hervor, außer die Liebe zum Batman-Soundtrack aus den Filmen „Batman” (1989) und „Batman Forever”.
FAZIT:
TT Games ist in Bestform zurück! Die Batman-Spiele gehören definitiv zu ihren besten Spielen, und auch dieser Ableger setzt die Reihe erfolgreich fort. Meine größte Sorge war, dass es sich lediglich um eine sture Nacherzählung der Filme handelt, jedoch wurde ich hier eines Besseren belehrt. Mit viel Witz und Können wird hier eine unterhaltsame und zusammenhängende Geschichte erzählt. Jeder Batman-Fan kommt auf seine Kosten und wird schmunzeln. Besonders, wenn man noch die vielen weiteren Anspielungen und Zitate aus dem gesamten Popkultur-Universum kennt. Ein „Stirb langsam”-Zitat in einem Batman-Spiel hatte ich nicht auf meiner Bingo-Liste.
Gameplay-technisch war es eine gute Entscheidung, auf das Fundament der „Arkham“-Serie zu setzen. Zusammen mit der Reduzierung der Charaktere ergibt sich ein ungewohntes, aber hervorragendes Ergebnis für ein Lego-Spiel. Bei den Zusatzaufgaben hat man es jedoch deutlich übertrieben. Diese hätte man locker auf die Hälfte reduzieren und dafür mehr Spaß-Cheats einbauen können. Diese fehlen wirklich! Auch technisch gibt es nicht viel zu bemängeln. Die UE5 liefert ein solides Ergebnis. Einzig die Computer-KI dürfte besser sein. Besonders beim Lösen von Riddler-Aufgaben stellt sie sich nicht unbedingt auf den richtigen Schalter. Hier hilft nur der gut funktionierende Koop-Modus. Viele sind jedoch auch der Meinung, dass man LEGO-Spiele nur so erleben sollte.
Eine klare Kaufempfehlung für alle, die Batman lieben oder ein unterhaltsames Spiel für ihre Kinder suchen!
[ Review verfasst von Andy ]
[ Gespielt auf einer PlayStation 5 mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Ein hervorragendes Batman Spiel
- Geeignet für Jung und Alt
- Spielerisch und technisch sauber
Minuspunkte:
- Zuviel Sammelkram
- Wo sind die Cheats?
- Handlung endet zu schnell
Spielinfos