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Die letzten Glühwürmchen

03. Juli 2026

Lesezeit: 3 Min.

Die letzten Glühwürmchen

Wenn ein Kind im ersten Satz eines Filmes sag: "Am 12. September 1945 bin ich gestorben." weiß man, dass wird harter Tobak. Kann es bei solch einem Anfang ein Happy End geben?

Das Grab der Glühwürmchen 

"Die letzten Glühwürmchen" ist einer der wenigen Filme, wo ich immer weinen muss (selbst jetzt im Kino). Einerseits weil der Antikriegsfilm aus Sicht zweier Kinder die alles verloren haben wirklich unglaublich harte Szenen hat, anderseits weil diese harten Szenen auch immer wieder Lichtblicke zeigen.

So wechseln sich diese Szenen gekonnt ab und überblenden von eins ins andere. Während Setsuko z. B. in einer Szene freudig spielt, zommt die Kamera in eine Totale und ihr großer Bruder Seita steht beobachtend im Off und die Hölle bricht herein. 

Nachdem bei einem Bombenangriff auf Kobe die Mutter stirbt, sind Setsuko und Seita auf sich allein gestellt. Zwar finden sie vorerst Unterschlupf bei einer Tante, doch schon bald gehen beide eigene Wege und ziehen in einer Höhle am Waldrand ein. Während anfangs noch genügend zu Essen vorhanden ist, gehen die Reserven jedoch schnell zur neige und man ist neben dem guten Willen anderer auch auf Diebstahl angewiesen.

Das Animationsmeisterwerk von Isao Takahata (Studio Ghibli) lief in Doppelvorstellungen mit dem anderen Meisterwerk "Mein Nachbar Totoro" im japanischen Kino, was eine gewagte Sache war. Während Totoro (trotz der Krankheit der Mutter) ein Feelgood Movie ist, sind die letzten Glühwürmchen das genaue Gegenteil (mit FSK 6 Freigabe).

Die Härte des Krieges wird dabei schonungslos gezeigt. Egal ob verkohlte Leichen, die Mutter die mit Maden übersät in ein Massengrab geworfen wird, das Pfeifen des Bombenhagel und die völlig abgemagerten Kinder sind schwer zu verdauen. Aber es wird auch gelacht, gespielt und mit Lichtblicken und kleinen Gesten den Grausamkeiten des Krieges entgegen gewirkt. Die Animationsqualität ist wie von Ghibli gewohnt erstklassig und die Emotionen der Kinder sind beeindruckend gezeichnet. 

Eingangs fragte ich, ob es ein Happy End geben kann. Diese Frage stellt sich mir jedes Mal, wenn ich den Film sehe. Obwohl es immer schlimmer für die Beiden wird, sind für mich die letzten Minuten trotz der Traurigkeit versöhnlich. Wenn kurz vor dem Abspann Setsuko zu einem wundervollen Score in Rückblenden spielt, lacht und tobt vergisst man fast die Grausamkeiten des vergangenen 80min. 

FAZIT:

Eigentlich bin ich jemand, der nicht zwischen Animations- und Realfilm unterscheidet, da beides für mich ebenbürtig ist. Aber neben "Wie der Wind weht", "Barfuß durch Hiroshima" und "Waltz with Bashir" ist "Die letzten Glühwürmchen" der beste Animationskriegsfilm und ein Film, den man zumindest einmal gesehen haben sollte.

 

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