Als Fan der Euro Truck Simulator Reihe auf dem PC habe ich jahrelang eigentlich immer auf eine PlayStation-Version der bekannten Sim-Franchise gehofft. Allerdings blieben meine Wünsche bis einschließlich heute leider unerfüllt. Hier und da gab es zwar ein oder zwei Trucker-Simulationen, die es auf die Konsole geschafft haben, aber so richtig überzeugen konnte keine. Doch mit Heavy Cargo: The Truck Simulator erscheint nun ein weiterer Vertreter des Trucker-Genres auf der PS5. Und ob dieses Spiel vielleicht zu etwas taugt, erfahrt ihr in unserem neuesten Review.
On the road again
Die Aufgabe des Schwertransports besteht darin, übergroße, schwere oder unhandliche Güter sicher und effizient von einem Ort zum anderen zu transportieren. Häufig umfasst dies die Planung von Routen, das Einholen von Genehmigungen und die Begleitung durch Sicherungsfahrzeuge. Und dies wird euch bereits im umfangreichen Tutorial erklärt, wo man Schritt für Schritt den Transport durchführt. Angefangen mit der Dienstfahrt zum LKW, der Anbringung der Fracht an euren Transporter sowie dem Abbau von blockierenden Leitplanken, die eine Weiterfahrt behindern. Vor allem diese strategische Planung hebt das Spiel von anderen Genre-Vertretern ab, wo es meist nur um das Stumpe fahren von A nach B geht. Bei Heavy Cargo muss man allerdings Routen auswählen und Hindernisse wie enge Straßen, Baustellen oder Wetterbedingungen meistern. Und das Ganze findet in einer weiten, offenen Welt statt, die von dichten Wäldern und kurvigen Bergstraßen bis hin zu urbanen Industriegebieten und weitläufigen Autobahnen eine große Reihe an verschiedenen Landschaften bietet.
Bewusst schwerfällig
Die Steuerung in Heavy Cargo ist bewusst träge gestaltet, um das realistische Gefühl eines schweren LKWs mit tonnenschwerer Ladung zu vermitteln. Beschleunigung, Bremsen und Lenkung reagieren mit einer spürbaren Verzögerung, was das Gewicht und die Trägheit des Fahrzeugs authentisch simuliert. Besonders bei engen Kurven, plötzlichen Manövern oder bergigen Strecken erfordert die Steuerung vorausschauendes und präzises Handeln, was für Einsteiger herausfordernd sein kann, aber zur Immersion beiträgt. Und obwohl die Steuerung mit den vielen Tastenkombinationen vor allem zu Beginn etwas überfordernd wirkt, hat man den Dreh eigentlich nach kurzer Zeit raus. Und wer mit dem Lenkverhalten überhaupt nicht zurechtkommt, kann es in den Einstellungen nachjustieren. Enttäuschend hingegen war für mich, dass ein realistisches Tanksystem fehlt. Doch damit nicht genug – auch eine überzeugende Geldwirtschaft sowie Verkehrsstrafen sucht man vergeblich. Gerade solche kleinen, aber essentiellen Mechaniken verleihen dem Simulator-Genre seinen besonderen Reiz. Und hier fehlt es dem Spiel einfach an Tiefe. Ein weiterer negativer Punkt ist die Tatsache, dass es auch nicht allzu viele LKWs gibt, aus denen man wählen kann. Stattdessen fährt man meist mit denselben wenigen Fahrzeugen, die euch das Spiel vorgibt. Das Einzige, was man nach erfolgreichen Missionen bekommt, sind neue Fahrzeugteile, die man nach Bedarf im Anschluss in der eigenen Werkstatt anbringen kann, und zum Beispiel die Tragfähigkeit eures Fahrzeuges verbessern.
Grafik & Sound
Was die Grafik betrifft, sollte man keine zu großen Erwartungen an das Spiel haben. Heavy Cargo, welches mit Hilfe der Unity Engine entwickelt wurde, bietet eine recht durchschnittliche Optik, die nur gelegentlich mit recht einigen wenigen netten Licht- und Wettereffekten überrascht. Immerhin sind wenigstens die Fahrzeugmodelle recht hübsch und detailliert. Allerdings wirken die Landschaften in Heavy Cargo an vielen Stellen eher unspektakulär und eintönig. Zwar überzeugen einige detailreiche Umgebungen, wie die Innenstädte, doch viele Bereiche der offenen Welt – zum Beispiel die endlosen grauen Autobahnen, die kahlen Industrieareale oder die monotonen, sich wiederholenden Gebäude – wirken leider eintönig und lassen Abwechslung vermissen. Texturen können in diesen Bereichen veraltet oder weniger lebendig wirken, was die visuelle Vielfalt und den Reiz der Erkundung schmälert. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Optik das Mindestmaß an Erwartungen gerade noch so erfüllt. Dies liegt unter anderem auch an den kurzen Ladezeiten und der stabilen Framerate, was ja bei den Simulatoren-Spielen ja auch nicht immer der Fall ist. Und was den Sound angeht, fallen hier vor allem die authentischen Motorengeräusche auf. Allerdings wiederholen sich die Umgebungsgeräusche wie Vogelzwitschern oder Verkehrslärm oft und wirken stellenweise monoton. Die Hintergrundmusik ist dezent, wird aber schnell unauffällig, was für lange Fahrten etwas mehr Dynamik vermissen lässt. Hier lobe ich mir die Spotify-Funktionalität der PS5, die etwas Abwechslung in den Spiel-Alltag bringt. Insgesamt lassen sich Grafik und Sound als funktional, aber ohne große Highlights beschreiben.
FAZIT:
Heavy Cargo ist eine mittelprächtige Schwertransportsimulation, der es leider enorm an inhaltlicher Tiefe fehlt. Und trotz Schwächen, wie die eintönigen Landschaften und einem minimalistischen Grafik- und Sound-Design überzeugt Heavy Cargo immerhin noch mit einer funktionalen, wenn auch zum Teil etwas hakeligen Steuerung, abwechslungsreichen Transportaufträgen und einer ziemlich großen offenen Welt. Auch angesichts des günstigen Einkaufspreises von unter 30 EUR können Trucker-Fans diesem Spiel vielleicht mal eine Chance geben. Man sollte allerdings nicht den Tiefgang der Euro Truck Reihe erwarten. Wer allerdings bis dato keine Freude an Simulator-Spielen hatte, wird auch mit Heavy Cargo wahrscheinlich nur bedingt etwas anfangen können.
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